Widerstand gegen den Faschismus 1933-45

Der Kampf der Menschen gegen Faschismus und Unterdückung -
eine facettenreiche Geschichte


Unzählige Menschen beteiligten sich am Widerstand gegen die faschistischen Systeme. Sie bekämpften deren Führer und Anhänger, so wie KollaborateurInnen. Diese Menschen bedienten sich gänzlich unterschiedlicher Mittel. Einige widersetzten sich durch Ungehorsam, andere griffen zu den Waffen. Die Folgen für die Menschen, welche sich widersetzten, egal aus welchen Motiven, waren dieselben: Verfolgung, Gefangenschaft und oftmals Ermordung. Hunderttausende verloren ihr Leben im Widerstand und weitere Hunderttausende wurden in Konzentrationslagern (KZ) interniert.
So unterschiedlich wie ihre Mittel waren, waren auch die Beweggründe Widerstand zu leisten. Teils waren es religiöse Menschen, welche mit der massiven Menschenverachtung der faschistischen Diktaturen nicht einverstanden waren. Teils waren es politisch motivierte Menschen wie KommunistInnen, AnarchistInnen, SozialdemokratInnen und GewerkschafterInnen, die aus politischer Überzeugung Widerstand leisten wollten. Teils waren es aber auch Menschen, die keine Wahl hatten - auf Grund von religiöser und ethnischer Zugehörigkeiten wurden sie verfolgt, zu Millionen in KZs verschleppt und systematisch ermordet

Widerstand in Europa

Nach 1939, dem Beginn des Angriffkriegs durch Hitler, reagierte die Bevölkerung der betroffenen Länder erst ziemlich unterschiedlich. In Österreich wurde Hitler meist mit offenen Armen empfangen und schnell wurden grundlegende nationalsozialistische Gesetze übernommen, was Hunderttausende innert weniger Wochen zur Emigration zwang. Ähnlich war es in Belgien, wo weitgehend mit den Nationalsozialisten kollaboriert wurde, gar SS-Divisionen sich formierten. Polen versuchte sich militärisch zu verteidigen, scheiterte aber wie später auch Dänemark und Norwegen. In Luxemburg und den Niederlanden führte der Versuch die Gebiete ins Deutsche Reich einzugliedern zu Widerstand. Frankreich, das von der Deutschen Wehrmacht besiegt wurde, wurde erst in eine Besatzungszone und eine NS-treue Regierungszone zweigeteilt, später ganz besetzt. Charles de Gaulle, ein französischer General, der geflohen war, rief aus dem Exil zum Widerstand auf. In Russland, Griechenland und der Tschechoslowakei kam es von Beginn der Besatzung an zu Widerstand. In Russland und Griechenland kämpften PartisanInnen - Verbände gegen die Besatzer. Schätzungen der in den russischen PartisanInnen Einheiten aktiven Frauen und Männer schwanken zwischen 300’000 und über einer Million. In der Tschechoslowakei wurde unter anderem ein Attentat auf den deutschen „Reichsprotektor“ verübt.
Je länger der Krieg andauerte, desto härter wurde auch der Widerstand. So versenkte die dänische Marine die eigene Flotte, um nicht für Nazideutschland kämpfen zu müssen. In den Niederlanden wurde am 18. September 1944 mittels Streik der gesamte Bahnverkehr lahm gelegt. In der Tschechoslowakei konnte am 5. Mai 1945 mittels PartisanInnenkrieg der Waffenstillstand erzwungen werden. Auch an der Befreiung von Paris hatten PartisanInnen - Einheiten der Restistance einen grossen Anteil. In Jugoslawien kämpften kommunistische PartisanInnen mit zunehmendem Erfolg gegen die deutsche und italienische Besatzung. In Polen kam es 1944 zum Aufstand in Warschau.
Eine Ausnahme bildete Italien, wo es schon vor 1924 zu Widerstand gegen Mussolinis Faschismus kam und der Antifaschismus zum politischen Programm erwuchs. Nach 1943 kam es zu heftigen Kämpfen zwischen faschistischen und antifaschistischen Verbänden.
Auch jüdischer Widerstand blieb nicht aus. Weit über 1.5 Millionen Juden kämpften in alliierten Verbänden. Andere schlossen sich PartisanInnen - Einheiten an oder organisierten selbst Aufstände. So im Warschauer Ghetto (April-Mai 1943), in den Vernichtungslagern Treblinka (2. August 1943), Sobibor (14. Oktober 1943) und Auschwitz-Birkenau (7. Oktober 1944).
Die Antwort der faschistischen Regimes auf Widerstand und PartisanInnenaktivitäten war stets äusserst grausam. Ganze Dörfer wurden dem Erdboden gleich gemacht, deren BewohnerInnen ermordet oder verschleppt.
Die Mittel des Widerstandes waren Flugblattaktionen, das Herausgeben von Zeitungen und Übermitteln von kriegswichtigen Informationen an Gegner, Verweigerung von Zwangsarbeit oder Armeedienst, Fluchthilfe, Sabotageakte, Streiks, Attentate, Partisanenkrieg oder offener Krieg etc.
Leider muss gesagt werden, dass unter den Widerstandgruppen innerhalb der einzelnen Länder zunehmend Konflikte auftraten. Diese fanden ihren Ursprung in den unterschiedlichen Motivationen Widerstand zu leisten. So waren zum Beispiel in der italienischen Resistenza KommunistInnen, Libertäre, Liberale, KatholikInnen und LegalistInnen vertreten. Andererseits hatte in Jugoslawien der Konflikt neben einer politischen Dimension auch eine ethnische. Vor allem in den besetzten Gebieten hatte der Widerstand teils auch nationalistische Züge. Mancherorts nahmen diese Konflikte Ausmasse von Bürgerkrieg im Krieg an.

Der deutsche Widerstand

Wenn vom deutschen Widerstand gesprochen wird, muss klar gestellt werden, dass hier nicht von einer Gesamterscheinung mit gemeinsamer Stossrichtung gesprochen werden kann. Vielmehr waren es Einzelpersonen und Kleingruppen verschiedenster Herkunft und politischer Couleur, welche sich widersetzten und ihr Engagement oft mit dem Leben bezahlten. Zu konkretem aktiven Widerstand kam es nur in Einzelfällen, vielmehr bestand der Widerstand aus dem sich nicht Anpassen und innerer Resistenz.
Der erste Widerstand gegen die Nazis kam von links. Dies kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die linken und kommunistischen Parteien die Gefahr des Nationalsozialismus in den 1920er-Jahren total unterschätzt hatten. Innere Kämpfe prägten das Verhältnis innerhalb der Linken, was in Einzelfällen zur Zusammenarbeit zwischen der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) und der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) vor der Machtübergabe führte. Der Aufruf der KPD am 30. Januar 1933 zum Generalstreik („Mössinger Generalstreik“), um die Herrschaft Hitlers und der NSDAP von Beginn weg zu vereiteln, half nichts mehr. Schnell wurden die kommunistischen Strukturen durch die Gestapo zerschlagen und Tausende ParteigenossInnen in KZs deportiert. Kleinststrukturen vermochten sich in den Untergrund zu retten, von wo aus Zeitungen herausgegeben und Sabotageakte verübt wurden. Aus der Sozialdemokratischen Partei (SPD) entstanden einige wenige Widerstandgruppen, doch zogen sich Unzählige aus der Politik zurück. Die Gewerkschaften versuchten erst mit Hitler zu paktieren, scheiterten aber. Vielerorts konnten die Gewerkschaftsstrukturen aufrecht erhalten werden. So waren viele ArbeiterInnen bereit zum Generalstreik im Falle eines Militärputsches gegen Hitler, wollten aber von sich aus nicht losschlagen.
Die Kirchen fürchteten durch den totalen Machtanspruch der Nationalsozialisten ihren Platz zu verlieren, was zu einer weitreichenden Kollaboration führte. Nur Minderheiten beteiligten sich am aktiven Widerstand, herausragende Persönlichkeiten waren der Protestant Dietrich Bonhoeffer und der Katholik Alfred Delp.
Auch aus rechts-konservativen Kreisen kam es zu Widerstand, welcher vor allem durch hohe Offiziere der Wehrmacht getragen wurde. Dieser Widerstand entsprang aber nicht in erster Linie moralischen Bedenken gegenüber den Gräueltaten des NS-Staates, sondern sie sahen in Hitler vielmehr einen unfähigen Führer, welcher beseitigt werden müsse, damit Deutschland seine Chancen auf den Kriegsgewinn erhalten könne. Es kam zu einigen Versuchen Hitler zu töten, darunter jener des 20. Julis 1944 durch Graf von Stauffenberg.
Weniger zentral, aber nicht weniger erwähnenswert, ist der Jugendwiderstand. Gruppen wie die Weisse Rose, die EdelweisspiratInnen, die Swing-Jugend oder der Junge Bundschuh agierten mit unterschiedlichen Mitteln wie Flugblattaktionen, Verweigerung der Hitlerjugend, Fluchthilfe etc. Trotz ihres jugendlichen Alters wurden sie verfolgt, in KZs interniert und ermordet.

Der BürgerInnenkrieg in Spanien (1936-39)
In Spanien kam es im Juli 1936 zu einem Militärputsch gegen die sozialistische Republik, in dessen Verlauf sich der faschistische General Franco als führende Kraft entpuppte. Die Bevölkerung war vielerorts entschlossen dies nicht zu akzeptieren. Gewerkschaften und linke Parteien riefen zum bewaffneten Kampf und bildeten Volksmilizen. Die republikanische Regierung begann selbst eine Armee aufzubauen, dies mit der Unterstützung von Stalin. So konnte, nach beträchtlichen Gebietsgewinnen durch die Faschisten, deren Vormarsch im November in Madrid durch die Zivilbevölkerung gestoppt werden.
Aus der ganzen Welt, auch aus der Schweiz, strömten Menschen herbei um gegen die Faschisten zu kämpfen. Sie schlossen sich den freien anarcho-syndikalistischen oder kommunistischen Milizen an oder kämpften für die kommunistisch-stalinistische Armee in den Internationalen Brigaden. Francos Armee wurde durch Hitler und Mussolini vor allem mit technischen Mitteln wie Flugzeuge und Panzer unterstützt.
In jenen Gebieten der Republik, in welchen die Gesellschaft stark anarcho-syndikalistisch geprägt war, kam es in den Jahren 1936/37 zur sozialen Revolution, in deren Zuge Fabriken, Landwirtschaftsgebiete und öffentliche Ämter kollektiviert und basisdemokratisch strukturiert wurden.
Zunehmend wuchs der Konflikt zwischen der politischen Leitung der freien Milizen und der stalinistisch dominierten Regierung, was unter dem Vorwand der „Kollaboration mit den Faschisten“ zu einer Verhaftungswelle und etlichen Hinrichtungen führte.
Mehr und mehr gerieten die antifaschistischen Einheiten ins Hintertreffen, nicht zuletzt auch wegen den inneren Streitigkeiten, aber auch weil Waffenlieferungen Stalins ausblieben. Bemühungen um einen Waffenstillstand seitens der republikanischen Regierung scheiterten, dies auch wegen mangelnder Unterstützung des nicht-faschistischen Europas. Dieses wollte eher Franco als die Kommunisten siegen sehen. Auch Stalin selbst hatte kein direktes Interesse an einem Sieg der Republik, da er keine kommunistische Regierung ausserhalb seines Einflussgebietes dulden wollte. Am 1. April 1939 verkündete Franco das Ende des Kriegs, welcher mit dem Sieg der Faschisten endete. Francos Diktatur sollte erst mit seinem Tod am 20. November 1975 zu Ende gehen.

Die Kontroverse um den Begriff „Widerstand“
Prägend für die Auseinadersetzung mit dem Widerstand ist die Frage nach der Begrifflichkeit des Widerstands. Was soll, kann oder darf als Widerstand gegen Faschismus bezeichnet werden? In dieser Frage scheiden sich die Geister der Fachwelt. So entstanden diverse Modelle zur Einordnung des Widerstandes. Eberhard Bethge schlug eine fünfstufige Skala vor, welche „einfachen, passiven Widerstand“, „offenen ideologischen Gegensatz“, „Mitwisserschaft an Umsturzvorbereitung“, „aktive Vorbereitung für das Danach“ und „aktive Konspiration“ unterschied. Andere wie Detlev Peukert werteten Kleinformen des Widerstands, wie das Hören von „feindlichen“ Radiosendern, als aktiven Widerstand und stuften die „Nonkonformität“ als sehr hoch ein. Dietrich Ermann hingegen merkte an, dass nicht jede Form der Verweigerung zum Widerstand gezählt werden dürfe. Unzählige Gliederungsformen wurden vorgeschlagen, unter welchen aber eine besonders zentral ist. Dies, weil sie das Risiko für die sich Widersetzenden miteinbezieht. Die Autoren Klaus Gotto, Hans-Günther Hockerts und Konrad Repgen argumentieren, dass der Widerstand „stets auf die konkreten Rahmenbedingungen des zugehörigen Herrschaftssystems bezogen sein muss.“ (Kissener, 2005, S.85) Diese Betrachtungsweise ist zentral, da in den verschiedenen faschistischen und nationalsozialistischen Diktaturen jede Form des sich Entziehens ein Risiko darstellte. Die Autoren entwickelten sodann eine vierstufige Skala, welche den Widerstand wie folgt gliedert: „punktuelle Nonkonformität“, „Verweigerung“, „Protest“ und als letzte Stufe „Widerstand im engeren Sinn“.
Die Frage nach dem, was als Widerstand gegen den Faschismus bezeichnet werden soll, kann oder darf, wird wohl nie endgültig geklärt werden, da diese Frage immer eine wertende Antwort erhalten wird. Zu sehr spielen in dieser Frage persönliche Anschauungen eine zentrale Rolle. Wichtig ist aber, dass sich Menschen gewehrt haben und welche Motivation hinter ihrem Handeln steckte.

Quellen:

Widerstand Europa:
Ainsztein, Reuben: Jüdischer Widerstand im deutschbesetzten Osteuropa während des Zweiten Weltkriegs, Oldenburg 1993.
Burleigh, Michael: Die Zeit des Nationalsozialismus, Eine Gesamtdarstellung, Frankfurt am Main 2000.
Kissener, Michael/ Brandt, Harm-Hinrich/ Altgeld, Wolfgang (Hrsg.): Widerstand in Europa, Zeitgeschichtliche Erinnerungen und Studien, Konstanz 1995.
Neugebauer, Wolfgang: Widerstand in Österreich- Ein Überblick, Referat im Rahmen der Tagung »Widerstand in Österreich 1938-1945« im Parlament, Wien, 19. Jänner 2005, (www.doew.at).
Steinbach, Peter/ Tuchel, Johannes: Lexikon des Widerstandes 1933-1945, 2. überarbeitete und erweiterte Auflage, München 1998.

Der deutsche Widerstand:
Burleigh, Michael: Die Zeit des Nationalsozialismus, Eine Gesamtdarstellung, Frankfurt am Main 2000.
Kissener, Michael/ Brandt, Harm-Hinrich/ Altgeld, Wolfgang (Hrsg.): Widerstand in Europa, Zeitgeschichtliche Erinnerungen und Studien, Konstanz 1995.
Steinbach, Peter/ Tuchel, Johannes: Lexikon des Widerstandes 1933-1945, 2. überarbeitete und erweiterte Auflage, München 1998.

Spanien 1936-39:
Interessengemeinschaft Schweizer Spanienfreiwilliger (Hrsg.): Schweizer kämpfen in Spanien, Erlebnisse der Schweizer Freiwilligen in Spanien, Basel 1939.
Vilar, Pierre: Der spanische Bürgerkrieg, Berlin 2001.

Die Kontroverse um den Begriff „Widerstand“:
Kissener, Michael: Das Dritte Reich, Kontroversen um die Geschichte, Deutschland 2005.

link_ikon Verfasst für die Themenausstellung "Brennpunkt Faschismus", August 2006.


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